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Über das Problem der Gewalt unter den Mädchen

Ein Interview mit Béatrice Mabilon-Вonfis, der Professorin der Cergy-Pontoise-Universität (Frankreich) für die Zeitung Atlantico.

- Heutzutage erfahren die Ansichten der Öffentlichkeit über die Situation mit der Gewalt unter den Mädchen einen bemerkbaren Wandel. Ihr Verhalten wird immer aggressiver und auf der Welle der Emanzipation gleicht sich dem Verhalten der Jungen immer mehr an. In der Chronik der Zwischenfälle wird eine neue Generation der Mädchen offenbart, die sich härter und aggressiver verhalten, und manchmal auch die ganzen Banden organisieren.

- Vom Standpunkt der Statistik aus existiert ein historischer Unterschied zwischen der männlichen und weiblichen Frevelhaftigkeit: die Anzahl der Frauen in den Statistiken zur strafrechtlichen Verfolgung ist viel geringer. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt entfällt auf sie weniger als 4 % von der Gesamtzahl der Strafgefangenen.

- Wenn die weibliche Frevelhaftigkeit auch ihre eigenen Besonderheiten aufweist, sind diese auf keinen Fall als Abgeleitete von biologischen Unterschieden wahrzunehmen.

- Wenn eine Frau sich ein grausames Verbrechen zuschulden kommen lässt, wird es so wahrgenommen als ob von ihr auf einmal zwei Gesetze verletzt worden sind: ein Gesetz vom Standpunkt des Rechtes aus und ein sogenanntes "natürliches" Gesetz, dem entsprechend Frauen passiv, nicht laut und zärtlich sein sollen.

- Heutzutage leben wir in den ungefährlichsten Gesellschaften in der ganzen Geschichte. Dies bedeutet nicht, dass es keine Gewalt existiert: denn von jeder Gesellschaft wird selbständig herausgebildet das, was von ihr als Gewalt bezeichnet wird. Die Schwelle unserer gesellschaftlichen Duldsamkeit gegenüber dem inakzeptablen Verhalten ist viel niedriger geworden. Die Vergrößerung der Anzahl von Anmeldungen der gewaltsamen Handlungen steht nicht mit der Aktivierung des aggressiven Verhaltens, sondern in erster Linie mit dem für unsere Gesellschaft kennzeichnenden Prozess der "Zivilisierung von Gebräuchen" im Zusammenhang.

- In den wissenschaftlichen Arbeiten wird eher von der Existenz eines vom historischen Standpunkt aus beständigen Niveaus bei der Entfaltung der Gewalt unter den Jugendlichen gesprochen, von denen schlechtweg die neuen Methoden und Verfahrenstechniken für die Verübung der ähnlichen Handlungen zur Anwendung gebracht werden.

- Die Ansichten in der Gesellschaft über die Gewalt unter den Mädchen und den Jungen unterscheiden sich wesentlich: wenn sich die von den Mädchen verübten Straftaten auch viel seltener zutragen sowie sich durch die um ein vielfaches geringere Schwere als die Straftaten der Jungen unterscheiden, wird von den Mädchen ein derartiges Verhalten einfach "nicht erwartet", weil es ihrer öffentlichen Rolle nicht entspricht.

- Die Ursachen der Gewalt sind für die beiden Geschlechter die gleichen: die Misserfolge im Unterricht bzw. im Studium, die Isolierung, Arbeitslosigkeit, die Unmöglichkeit für die Jugendlichen, ihren Platz in der Gesellschaft ausfindig zu machen.

- Der Kampf gegen die Gewalt unter den Mädchen und den Jungen erfordert eine neue Schulpolitik. Der Schule des XXI. Jahrhunderts sind die riesengroßen Ungleichheiten eigen, und von diesem Standpunkt aus hat sie die gewaltsamen Striche im Besitz. Sie kann sich nicht mehr mit der weitergehenden Anwendung der vom XIX. Jahrhundert übernommenen pädagogischen Methodiken zufriedengeben. Wenn schon die Gesellschaft die Änderungen erfährt, dann soll sich auch die Schule ändern! Gleichzeitig haben die humanitären und Gesellschaftswissenschaften korrekte Fragen vor den Prozessen im wirtschaftlichen und sozialen Bereich vorzulegen, welche die Isolierung und Verachtung herausbilden, als logische Stützen der Gewalt dienen.

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